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Okt 12, 2015
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Leinenführigkeit beim Hund – Basiswissen

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…. oder die Frage: “Wie macht man aus einer Zugmaschine einen Begleiter?” Video + “Gebrauchsanleitung”!

Vielleicht kennen Sie das Problem, dass Hundespaziergänge eher zur Qual als zum Vergnügen werden? Zerrt Ihr Hund pausenlos an der Leine und bestimmt mehr oder weniger die Richtung des Spaziergangs? Ist er unterwegs hypernervös, vielleicht sogar aggressiv auf andere Hunde, versucht Radfahrer zu jagen oder springt Jogger an? Dann wird es höchste Zeit, die Leinenführigkeit zu erlernen.

Diese Westie besitzt keine Leinenführigkeit

Zugegeben, das ist ein klitzekleines bisschen übertrieben, gibt aber das Gefühl vieler Hundebesitzer gut wieder.
© Ungehorsamer Westie, Tilo | Dreamstime.com

Ziel der Leinenführigkeit

Das Ziel der Leinenführigkeit besteht darin, dass der Hund seinem Besitzer an lose durchhängender Leine folgt. Der Hundeführer gibt das Ziel und das Tempo vor, der Hund passt sich an. Hund und Besitzer erleben den Spaziergang als entspannend und bereichernd. Gespräche mit anderen Hundebesitzern werden von den beteiligten Hunden als willkommene Gelegenheit betrachtet, Artgenossen zu begrüßen und zu beschnüffeln. Die Begegnungen sind freudig und aggressionsfrei. Kein Gezerre an der Leine, keine Verspannungen des Nackens und kein Gekläffe.

Die Realität sieht leider anders aus. Die meisten Hunde führen ihre Besitzer während des kompletten Spaziergangs und benehmen sich oft wie die schlimmsten Rüpel. Sie übernehmen die Führungsrolle, weil ihre Besitzer es nicht ausreichend tun. Andere verkriechen sich ängstlich,  weil sie sich durch ihren Hundeführer nicht genügend vor lärmenden Autos, anderen Tieren oder Menschen beschützt fühlen.

Um Leinenführigkeit beim Hund zu erreichen, muss ein korrektes Rollenverhalten zwischen Mensch und Tier bestehen, in dem der Mensch die Rudelführung souverän übernimmt. Der Hund hingegen wächst in die seinem Naturell entsprechende Rolle in einer darunter liegenden Ebene der Hierarchie hinein.

Hilfsmittel zum Erlernen der Leinenführigkeit

Beim Erlernen der Leinenführigkeit führen verschiedene Wege zum Ziel. Oberste Priorität hat dabei die Gewaltfreiheit der Methoden. Es gibt diverse Hilfsmittel wie Stachelhalsbänder, Würger und Anti-Ziehgeschirre. Alle diese Hilfsmittel bewirken keine dauerhafte Verhaltensänderung des Hundes, also kein Umdenken in seinem Rollenverhalten, denn sie wirken nur durch den augenblicklichen Schmerz, der im Interesse des Hundes ohnehin vermieden werden sollte.

Eine neuere Erfindung ist das Halti, das seit einigen Jahren auf dem Markt ist. Das Halti ist ähnlich konstruiert wie ein Pferdehalfter und wird dem Hund um Nacken und Schnauze gelegt. Es mag teilweise funktionieren, aber es ist für den Hund dennoch unangenehm, wenn er ständig an seinem Kopf gezogen und dirigiert wird. Richtig gefährlich wird es, wenn ein sehr wilder Hund zum ersten Mal in das Halti prescht. Die sich entwickelnden Zugkräfte sind enorm und übertragen sich ungebremst auf seine Wirbelsäule. Das könnte zu dauerhaften Schäden führen.

Gute Erziehungshilfen sind Leckerlie und Clicker mit oder ohne Target Stick. Statt des Target Sticks – siehe rechts – kann man auch ein Stock verwenden. Die wichtigsten Hilfsmittel überhaupt sind die Stimme, der Willen und die Körpersprache des Besitzers.

Methoden zum Training der Leinenführigkeit

Welpentraining – der Anfang

Welpen mögen die plötzliche Bewegungseinschränkung beim ersten Mal an der Leine überhaupt nicht. Auch die vielen neuen Eindrücke draußen in der großen Welt können sehr beängstigend wirken. Daher sollte man mit Bedacht vorgehen, um den Welpen nicht von vorherein zu verprellen oder ihm die falschen Dinge zu erlauben. Es ist viel einfacher, gleich die richtigen Grundlagen zu legen, als unerwünschtes Verhalten beim erwachsenen Tier zu korrigieren.

Welpen sollten möglichst nie gegen ihren Willen frühzeitig zu einem Spaziergang gezwungen werden. Hier sind Hundebesitzer mit eigenem Grundstück klar im Vorteil. Aber auch Bewohner einer Stadtwohnung können viel tun, um ihrem Hundekind das Leben zu erleichtern. Manche Welpen sind sehr aufgeschlossen und begrüßen die neue Welt da draußen freudig und interessiert. Andere Hundekinder wiederum sind durch die vielen neuen Eindrücke erschrocken und beeindruckt. Damit es kein Schock fürs Leben wird, sollte man das Verhalten seines Welpen gut beobachten und die Übungen seinem Lerntempo anpassen.

Gewöhnung des Welpen an das Halsband

Zuerst beginnt man mit der Gewöhnung des Welpen an das Halsband. Man wählt ein kleines, eventuell gepolstertes Leder- oder ein Stoffhalsband. Es sollte leicht und angenehm zu tragen sein. Das legt man dem Welpen täglich für einige Zeit an und lenkt ihn dann mit einem Spielzeug ab, sodass er das Ding an seinem Hals nicht allzu hinderlich findet. Trotzdem werden die meisten Kleinen an dem Fremdkörper kratzen und sich unwohl fühlen. Sofern man das Anlegen des Halsbandes mit einem Leckerlie oder einem schönen Spiel verbindet, bekommt die Prozedur nach ein paar Tagen aber eine angenehme Beinote. Irgendwann wird es zur Normalität für den Kleinen, das Halsband zeitweise zu tragen.

Halsband oder Geschirr?

Es wird immer wieder diskutiert, ob Halsband oder Geschirr für den Hund besser ist. Im Prinzip können beide Zwang und Schmerzen verursachen, wenn sie zu eng bzw. zu schwer sind oder der Hund sich mit Gewalt hineinwirft. Für einen gut erzogenen Hund ist ein passendes Halsband unproblematisch und daher eine gute Wahl. Dazu kauft man eine Führleine in einer Länge von 1,50 bis 3 Meter, je nach Größe des Hundes. Die Leine sollte für den Welpen nicht zu schwer sein, also bitte nicht auf “Zuwachs” kaufen und an der falschen Stelle sparen. Stoff- oder Katzenleinen sind für den Anfang auch geeignet. Wenig tauglich sind für Anfänger die automatischen Rollleinen, da man damit die falschen Signale setzt.

Das erste Mal an der Leine

Legt man die Leine zum ersten Mal an, wird der Welpe diese Prozedur als unerhörte Beschränkung seiner Freiheit betrachten. Manche vierbeinigen Sprösslinge stehen dann starr wie ein Böckchen und bewegen sich keinen Zentimeter mehr vorwärts. Andere laufen mutig los und springen wie ein wildes Fohlen, wenn sie plötzlich ausgebremst werden. Der clevere Besitzer hält sofort Ablenkungen wie Spielzeug und Leckerlie bereit, um den Welpen von den Vorteilen des Spaziergangs an der Leine zu überzeugen. Im Idealfall übt man zuerst im eigenen Garten bis es einigermaßen klappt.

So klappts leider nicht gut mit der Leinenführigkeit. Der kleine Border Collie wird nur unwillig. © Border Collie-Welpe zum ersten Mal an der Leine, Photowitch | Dreamstime.com

Lob und positive Verstärkung lassen den kleinen Staffordshire Terrier schneller lernen. © Staffordshire Bull Terrier Welpe beim Leinentraining , Cbckchristine | Dreamstime.com

Lob und positive Verstärkung lassen den kleinen Staffordshire Terrier schneller lernen. © Staffordshire Bull Terrier Welpe beim Leinentraining , Cbckchristine | Dreamstime.com

Die ersten Spaziergänge startet man keinesfalls an einer befahrenen Hauptstraße oder in einem belebten Park. Besser ist eine abgelegene, ruhige Wiese zum Schnuppern, die aber nur begrenzt neue Eindrücke liefert. Welpen, die hier sofort und angstfrei das Terrain erobern, dürfen auch bald belebtere Plätze erkunden. Mit schüchternen Welpen geht man langsamer vor. Es kann auch passieren, dass ein Welpe mit ersten Leinenerfahrungen von einem ländlich lebenden Züchter zu einer Familie in die Großstadt zieht. Dadurch kann er sich vollkommen überfordert fühlen und seine Leinenführigkeit vor Angst vergessen. Man beginnt mit dem Kleinen ebenfalls geduldig auf einem abgelegenen, ruhigen Gelände.

Wichtig ist es am Anfang, den Kleinen für gutes Verhalten stets durch ein Lob und hin und wieder durch ein Leckerlie zu belohnen. Erwünschtes Verhalten ist neben dem ruhigen Laufen auch das Aufnehmen von Sichtkontakt zum Besitzer oder das Einschlagen seiner Richtung. Natürlich darf man das mit den Belohnungshäppchen nicht übertrieben. Ein schlauer Welpe würde es später ausnutzen.

Zeigt sich ein Welpe in einer neuen Situation sehr vorsichtig, wartet man einen Augenblick, damit er die neuen Eindrücke erfassen und verarbeiten kann. Erst dann geht es weiter. Das Beißen in die Leine wird nicht toleriert. Auch hierfür hilft Ablenkung mit einem Spielzeug.

An der Leine kauen darf er nicht. Sofort ablenken und keinesfalls tolerieren.

An der Leine kauen darf er nicht. Unser Tipp: Sofort ablenken und keinesfalls tolerieren.
© Welpe kaut an der Leine, Hannadarzy | Dreamstime.com

Man sollte nicht erwarten, dass das erste Leinentraining ein richtiger Spaziergang wird. Eher eine mühevolle Angelegenheit mit viel Arbeit für den Besitzer. Aber die Investitionen an Geduld, Konsequenz und positiver Verstärkung lohnen sich, denn Welpen lernen schnell. Die folgenden Übungen sind für erwachsene Hunde und Welpen geeignet.

Plötzlicher Richtungswechsel

Viele Hundetrainer empfehlen zum Trainieren der Leinenführigkeit den plötzlichen Richtungswechsel. Untrainierte oder Hunde mit schlechter Leinenführigkeit neigen dazu, während des Spaziergangs voranzulaufen und die Richtung zu bestimmen. Bemerkt der Besitzer dieses Verhalten, schlägt er mit dem angeleinten Hund sofort eine neue Richtung ein. Dabei sollte er nur mit ruhiger Stimme, Körpersprache und Gesten arbeiten. Ein kurzer, leichter Zug an der Leine ist erlaubt, aber kein gewaltsamer Ruck, da dieser nur Gegendruck und den Unwillen des Hundes erzeugt. Der Hund kommt durch den Richtungswechsel aus seinem “Führungskonzept” und lernt, dass er sich dem Ziel und Tempo des Besitzers anpassen muss.

Die Methode benötigt viel Geduld und Konsequenz. Auf Dauer klappt es, aber bei einem echten Energiebündel ist das eine ambitionierte Aufgabe. Wichtig: Lassen Sie von Anfang an keine Ausnahmen zu, auch wenn es bequemer erscheinen mag. Ihr Hund darf nie die Richtung oder das Tempo vorgeben. Ausnahmen bestätigen nur sein falsches Verhalten und zeigen ihm, dass er auf seine – vom Besitzer unerwünschte Weise – zum Erfolg kommt.

Rangfolge klarstellen – Vorpreschen blockieren

Sobald der Hund vorprescht und sich vor seinem Besitzer bewegt, wird angehalten und gewartet. Der Hund hat die ursprüngliche Position hinter oder links neben seinem Besitzer einzunehmen. Erst dann geht es weiter.  Er darf nie – außer auf ausdrückliches Kommando oder Signal hin – vor dem Besitzer laufen. Jegliches Vorpreschen ist zu blockieren. Auf diese Weise wird auch die Rangfolge zwischen Leittier Mensch und dem untergeordneten Hund gefestigt. Zur Durchsetzung dieser Methode verwendet man einen Stock, der die Grenze markiert, bis zu der der Hund gehen darf. Alternativ bietet sich die Verwendung eines Clickers mit Target Stick an.

Wichtig ist es bei sämtlichen Übungen, zunächst einmal die Aufmerksamkeit und den Respekt des Hundes zu gewinnen. Die Aufmerksamkeit lässt sich durch Futter, direkte Ansprache, Blickkontakt und Handzeichen  herstellen. Viele Trainer setzen auch erfolgreich den Clicker ein. Auf die Methode der Kontaktherstellung kommt es gar nicht so sehr an. Vielmehr muss der Hund lernen, dass sein Leittier in allem die Richtung vorgibt, sich klar und eindeutig äußert, die Aufgaben verteilt und deren Erfüllung konsequent einfordert. Setzen Sie Ihren Kopf durch – gewaltfrei, aber ohne Wenn und Aber. Wenn Sie das Leittier sein wollen, dann verhalten Sie sich bitte auch wie eine Führungskraft, dann wird Ihr Hund Ihnen gern folgen.

Hundetrainerin Maja Nowak erklärt eine Methode im Video, die für viele Hunde gut funktioniert. Interessant ist dabei auch das vermittelte Hintergrundwissen zum besseren Verständnis des Hundes.

Auf der folgenden Seite erwartet Sie ein weiteres Video mit drei typischen Problemfällen, denen es noch an Leinenführigkeit fehlt. Hundeflüsterin Maja Nowak ist darin mit einer ängstlichen Hündin, einem geifernden Rüpel und einem ständig jagenden Rüden konfrontiert. Mehr über die drei typischen Problemfelder bei Leinenführigkeit.

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Erziehung
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